Parkhausdach als Landeplatz für Kunden

Das Parkhaus Wilhelmsstraße hieß zunächst Centrum-Garagen

22. Dez 2017 | Wußten Sie schon…, dass in den Fünfziger Jahren der Plan existierte, das Dach des Parkhauses Wilhelmsstraße künftig als Landeplatz für den Flugverkehr nutzbar zu machen? Nicht die einzige Besonderheit, für die das markante Gebäude bis heute steht.

Die Fachwelt staunte nicht schlecht an jenem Sommertag des Jahres 1956, sogar Experten aus dem Ausland waren eigens nach Kassel gereist. Ein völlig neuartiges Gebäude war fertiggestellt, errichtet in der Garde-du-Corps-Straße im heutigen Quartier Wilhelmstraße. Ein Zukunftsbau par excellence, Presse und Gesellschaft überschlugen sich damals vor Begeisterung. Kassel, die Stadt, die im Nachkriegsdeutschland Zeichen der Superlative setzte. Das Besondere des Baus: Er galt als erste „Hochgarage“ in der Bundesrepublik Deutschland, die ohne Aufzug auskam. Das deutsche Parkhaus war geboren, getauft damals auf Centrum-Garagen.

Auffällig waren die gegenläufigen Betonspiralen, Bestandteil eines raffinierten Systems, das es ermöglichte, ohne Gegenverkehr zu einem der 350 Parkpkätze zu kommen. Erschaffen von den Architekten Ernst Brundig und Paul Bode. Bode, der Bruder des documenta-Gründers, schuf in der Nachkriegszeit viele große Gebäude, darunter das Schlosshotel Wilhelmshöhe, das Staatstheater Kassel und das legendäre Kaskade-Kino.

Die versammelte Öffentlichkeit erlebte einen Tag, den man so schnell nicht vergessen sollte. Spektakulär war nicht nur das Gebäude mit seiner kühnen Bauart und seiner teils geschwungenen Alu-Fassade, samt einer Tankstelle, einer Reparaturwerkstatt und einer Imbiss-Gaststätte im Erdgeschoss. Zu einem Spektakel geriet auch die Einweihungszeremonie. Am Himmel kreiste ein schneeweißer Hubschrauber, und dieser landete mitten auf dem Dach. Mit an Bord dieses sogenannten Lufttaxi-Dienstes Düsseldorf: Dr. Kurt Bergmann, der Bauherr. Seine Vision damals, beflügelt vom fast unerschütterlichen Fortschrittsglauben: Das Flachdach sollte auch künftig als Landeplatz für den Flugverkehr dienen. Kunden aus allen erdenklichen Städten, so die Idee, die per Hubschraubertaxi bequem auf dem Parkhausdach landen und dann in Kassel ihre Geschäfte erledigen oder einkaufen gehen.

„Soweit ist es dann aber nicht gekommen“, erzählt Parkhaus-Manager Peter Sadecki. „Aber die Idee hat zu etwas anderem geführt, was lange Zeit eine Besonderheit darstellte: Kunden konnten hier einen festen Dauerparkplatz, eine Garage für ihr Fahrzeug mieten. Und sie machten rege davon Gebrauch.“ Zu Beginn habe es fast ausschließlich Dauerparker gegeben, jeder und jede sei mit Namen bekannt und das Parkhaus deshalb voll von Namensschildern gewesen. Als Kontrolle habe damals eine Art Hundemarke gedient, in der „Centrum-Garagen“ eingestanzt gewesen sei.

Wer heute das damalige Werbeplakat liest, auf dem das Parkhaus seine Vorzüge anpries, gerät ins Schmunzeln. Das liest sich dann so: „Am 20. Juli 1956 haben wir unser Garagen-Hochhaus dem Verkehr übergeben. Dadurch hat jeder Kraftfahrzeugbesitzer die Möglichkeit, sich entweder einen Dauerplatz zu mieten oder sein Kraftfahrzeug stundenweise unterzustellen, während er dann in Ruhe seinen Geschäften nachgehen kann, in dem sicheren Wissen, daß sein Fahrzeug bestens aufgehoben ist. Diese Sicherheit und Ruhe erkaufen Sie sich wie folgt…“ Es folgen Preisangaben, die aus heutiger Sicht geradezu paradiesisch klingen. 2 Stunden kosteten einst 30 Pfennig, Parken bis zu 24 Stunden gerade mal 3 DM. Mit 32 Mark war man bei der Monatsmiete dabei. „Wenn Sie erst einmal von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sind wir sicher, daß Sie unsere Hoch-Garage nicht mehr missen möchten“, heißt es schließlich. „Ganz besonders möchten wir Sie darauf hinweisen, daß wir für die Kinobesucher, auch wenn die Vorstellung etwas länger dauert, nur 0,30 DM berechnen.“

Noch heute ist das Parkhaus Wilhelmsstraße günstig, und Capitol-Kino-Besucher mit gelochtem Parkticket zahlen einen Euro.

Foto: Parkhaus Wilhelmsstraße

Starker Service

Das Parkhaus Wilhelmsstraße legt Wert auf Sicherheit: Während der Öffnungszeiten wird es ununterbrochen von Dienstpersonal betreut und ist Tag und Nacht videoüberwacht. Im Parkhauscafé an der Einfahrt findet man immer einen hilfsbereiten Ansprechpartner, der weiterhilft. Das 2001 umfassend sanierte Parkhaus ist sauber und gepflegt, Frauenparkplätze finden sich gleich hinter der Einfahrt.

Öffnungszeiten:
Mo – Sa 7:00 – 2:00 Uhr
So / Feiertage 11:00 – 2:00 Uhr

Das Quartier Wilhelmsstraße freut sich auf Ihren Besuch!